Geologie des Stadtgebietes von Bochum

Kreide

Die Kreide war eine Zeit der Vorherrschaft des Meeres. Auch im Ruhrgebiet zeigt sich dies durch das Auftreten mariner Kreide-Sedimente, die am Rande eines warmen Flachmeeres abgelagert wurden. Zwar gab es schon in der Unterkreide erste Meeresvorstöße bis in Randbereiche des Ruhrgebietes, aber erst mit der Transgression im Cenoman zu Beginn der Oberkreide setzten sich langfristig marine Verhältnisse durch.

Oberkreide

Ablagerungen der Oberkreide umfassen in Bochum den Zeitraum von Cenomen bis Coniac (Abb. 1). Im Cenoman wurde Bochum von einem flachen Schelfmeer bedeckt, als weite Teile Mitteleuropas marin wurden. Südlich des Ruhrgebietes ragte allerdings die Rheinische Masse noch als isolierte Landfläche aus dem Meer. Als Rheinische Masse wird der konsolidierte Festlandsblock im Zentrum Mitteleuropas bezeichnet, der sich in der Paläogeographie des Mesozoikums als ein stabiles Landgebiet auszeichnete.

Abb. 1: Gliederung der Oberkreide im Stadtgebiet von Bochum

Das vorstoßende Kreide-Meer fand im Raum Bochum eine relieferte Landschaft vor, an deren Oberfläche die lange zuvor abgelagerten und gefalteten Schichten des Karbons anstanden. Einzelne Klippen ragten daher zunächst noch aus dem Cenoman-Meer heraus. Der Kontakt zwischen den aufgerichtete und gekappten Karbon-Schichten und den annähernd horizontal lagernden Kreide-Schichten darüber ist in Bochum-Wiemelhausen im Geologischen Garten, einer aufgelassenen Ziegeleigrube, eindrucksvoll aufgeschlossen (Abb. 2).

Abb: 2: Karbon-Kreide-Diskordanz, Geologischer Garten

Die Oberkreide beginnt mit Sedimenten der Essen-Grünsand-Formation, die die gesamte Cenoman-Stufe umfasst. In seiner kompletten Ausbildung umfasst er eine basale, teils konglomeratische Lage, über die der eigentliche Essen-Grünsand folgt. Dieser geht zum Hangenden hin in einen glaukonitischen Kalkmergelstein über. Den Abschluss bildet die Kalkknollenbank, ein überregional verfolgbarer glaukonithaltiger Kalkmergelsteinhorizont.

Die Basallage ist eine strandnahe Fazies. Sie besteht oft aus einem Sandstein-Konglomerat und zeigt die Aufarbeitung der Landoberfläche durch das vorstoßende Meer an. Darüber können Toneisensteinkonglomerate auftreten, die sich aus aufgearbeiteten Toneisensteinen des Karbons zusammensetzen. Der eigentliche Essen-Grünsand besteht aus glaukonitischen Sandsteinen oder Sandmergeln. Sein Verfestigungsgrad ist schwankend. Der Glaukonit- und Sandgehalt des Essen-Grünsandes weist ihn als eine küstennahe Bildung am Südrand des Kreide-Meeres aus.

Die Sedimente der Cenoman-Stufe, deren maximale Mächtigkeit in Bochum nur wenige Meter beträgt, streichen als schmaler Streifen aus, der sich über Bochum hinaus am gesamten Südrand des Westfälischen Kreide-Beckens verfolgen lässt.

Die sandärmeren Ablagerungen zu Beginn des Turons zeigen an, dass die Küste nun weiter entfernt lag. Im Raum Bochum kamen Kalkmergel- und Tonmergelsteine zur Ablagerung, die wegen des häufigen Vorkommens von fossilen Schalenresten der Muschel Inoceramus labiatus früher als labiatus-Schichten bezeichnet wurden. Ihre heutige Bezeichnung ist Büren-Formation.

Darüber folgen die Bochum-Grünsand- und die Soest-Grünsand-Subformation, die ebenfalls noch zur Turon-Stufe gehören. Mit ihnen kehrten küstennahe Bedingungen zurück, die erneut zur Entstehung glaukonitreicher, sandiger Ablagerungen führten. Beide Grünsande sind petrographisch sehr ähnlich ausgebildet. Östlich von Bochum werden sie getrennt durch die eingeschalteten Kalksteine und Kalkmergelsteine der Oerlinghausen-Formation, die nach Osten hin zunehmend mächtiger wird und als Härtling den Haarstrang aufbaut. Da die Gesteine der Oerlinghausen-Formation in Bochum nicht auftreten, können die Bochum-Grünsand- und die Soest-Grünsand-Subformation hier nicht voneinander unterschieden werden.

Die jüngsten Kreide-Sedimente im Stadtgebiet stammen aus dem Coniac. Die Erwitte-Formation geht ohne deutlichen Übergang aus den Grünsanden des Turons hervor. Diese glaukonithaltigen Sandmergelsteine gehen ihreseits ohne scharfe Grenze in die Mergelsteine der Emscher-Formation über. Damit endet die Schichtenfolge der Kreide in Bochum.