Tektonik im Stadtgebiet von Bochum

Die paläozoischen und mesozoischen Schichten, die den Untergrund des Bochumer Stadtgebietes aufbauen, liegen heute nicht mehr in der Form, wie sie abgelagert wurden. Tektonische Kräfte haben sie verstellt.

Tektonik im Paläozoikum

Der Inhalt der Subvariszischen Saumtiefe, in der sich während des Oberkarbons enorme Sedimentmengen angesammelt hatten, wurde in der Asturischen Phase am Ende des Oberkarbons durch die von Süden nach Norden wandernde variszische Faltungsfront erfasst, eingeengt, in Falten gelegt und herausgehoben. Dabei war die Hebung im Süden des Gebirges am stärksten. Die Faltungsintensität in den Karbon-Schichten nimmt von Südosten nach Nordwesten ab, bis sie am Nordwestrand des Ruhrgebietes allmählich ausläuft.

Die variszisch gefaltete und eingeebnete Karbon-Oberfläche, die im Süden des Ruhrgebietes unmittelbar an der Oberfläche ausstreicht, taucht heute nach Nordwesten unter ein zunehmend mächtigeres Deckgebirge. Dabei werden an der Karbon-Oberfläche im Südosten tiefer liegende und damit ältere Schichten angeschnitten werden als weiter im Nordwesten.

Die tektonische Einengung des karbonen Sedimentstapels führte zur Entstehung von Falten, die etwa Südwest-Nordost streichen. Die oberflächennahen, weitspannigen Falten bezeichnet man im Ruhrgebiet als Hauptsättel und Hauptmulden. Diese Großstrukturen werden an ihren Flanken weiter modifiziert durch kleinräumige Spezialfaltung und Überschiebungen im Streichen der Falten.

Die Faltenachsen der Hauptsättel und Hauptmulden, also die gedachten Linien im Raum, um die herum sich die Schichten gekrümmt haben, zeigen ein vertikales Auf- und Abtauchen. Eine solche Achsenwellung ist typisch für das Ruhrkarbon und macht die Lagerungsverhältnisse an der Karbon-Oberfläche kompliziert, da die Karbon-Oberfläche ja eine Schnittfläche durch eine geneigte und zusätzlich im dreidimensionalen Raum verformte Schichtenabfolge darstellt.

Kennzeichnend für das Ruhrkarbon ist eine Stockwerktektonik. Das bedeutet, dass sich die tektonischen Strukturen in vertikaler Richtung ändern. Die oberflächennahen Hauptsättel und Hauptmulden werden zur Tiefe hin abgelöst von einem Bereich mit vielen Überschiebungen und Spezialfalten. Das tiefste Stockwerk zeigt kleinräumige Spezialfaltung, so dass die Untergliederung in Hauptmulden und Hauptsättel verloren geht (DROZDZEWSKI & WREDE 1994). Überschiebungen haben dort keine große Bedeutung mehr.

Neben der Faltung sind die Karbon-Schichten von Querstörungen durchsetzt, die meistens Nordost-Südwest gerichtet sind und in der Endphase der variszischen Ära angelegt wurden. Diese Abschiebungen, die als Sprünge gezeichnet werden, zergliedern das Steinkohlengebirge in Gräben und Horste. Sie modifizieren das Bild an der Karbon-Oberfläche zusätzlich, da auf der abgeschobenen Scholle höherliegende und damit jüngere Schichten angeschnitten werden als auf der anderen Seite der Verwerfung. Schließlich treten auch noch Blattverschiebungen auf, die spitzwinkelig zum Streichen der Falten angelegt sind.

Die tektonischen Großstrukturen des obersten Stockwerkes, die an der Karbon-Oberfläche des Bochumer Stadtgebietes anstehen, sind von Südosten nach Nordwesten: Wittener Hauptmulde, Stockumer Hauptsattel, Bochumer Hauptmulde und schließlich Wattenscheider Hauptsattel (Abb. 1).

Tektonische Großstrukturen im mittleren Ruhrgebiet

Abb. 1: Tektonische Großstrukturen im mittleren Ruhrgebiet

Die Großfalten setzen sich aus zahlreichen Einzelfalten zusammen. Überschiebungen im Streichen der Falten finden sich insbesondere an den Sattelflanken. So durchzieht beispielsweise die überregional verfolgbare Satanella-Überschiebung die Südostflanke des Stockumer Sattels.

Von den bedeutenden Abschiebungen des Ruhrkarbons, die als Sprünge bezeichnet werden und das Steinkohlengebirge in Graben- und Hochgebiete zerblocken, verläuft der Primus-Sprung in Nord-Süd-Richtung östlich an Bochum-Wattenscheid und Bochum-Dahlhausen vorbei. Seine östliche Scholle ist mehrere hundert Meter abgesunken (PIEPER 1990).

Tektonik im Mesozoikum

In der postvariszischen Ära kam es zunächst zu Krustendehnungen. Dies führte insbesondere in der Altkimmerischen Phase gegen Ende der Trias zu Bewegungen an den Querstörungen des Ruhrkarbons. In der Lamarischen Phase, die im Zusammenhang mit der Alpidischen Gebirgsbildung stand, wurden in der Oberkreide die Störungen dann erneut aktiviert. Nun aber kam es zu einer Einengungstektonik und damit zu Bewegungen in entgegengesetzter Richtung. Die Kreide-Schichten wurden dabei an den Störungen flexurartig aufgeschoben und zu flachen Faltenstrukturen gebogen. Auch die Einsenkung der Westfälischen Bucht fällt in die Zeit der Oberkreide. Als Resultat sind die Kreide-Schichten des Deckgebirges leicht in Richtung des Beckens geneigt.