Tektonik im Stadtgebiet von Dinslaken

Die paläozoischen und mesozoischen Schichten im Untergrund des Dinslakener Stadtgebietes lagern heute nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form. Tektonische Kräfte haben sie verstellt.

Tektonik im Paläozoikum

Die in der Subvariszischen Saumtiefe angesammelten Karbon-Sedimente wurden durch die Variszische Gebirgsbildung erfasst, deren Hauptphase im höheren Westfal C stattfand. Der Sedimentstapel wurde zusammengeschoben, bis am Ende des Westfals Niederrhein und Ruhrgebiet als Teil des neuen Großkontinentes Pangäa festländisch waren. Die dabei hervorgerufene Faltung und Einengung der Schichten nimmt von Südosten nach Nordwesten hin ab. Die Grenze zwischen gefaltetem und ungefaltetem Karbon liegt nordwestlich von Dinslaken.

Die von Süden nach Norden schreitende Faltungsfront hat das Steinkohlengebirge nahe der Karbon-Oberfläche in etwa Südwest-Nordost streichende weitspannige Falten gelegt, die bergmännisch als Hauptsättel und Hauptmulden bezeichnet werden. In vertikaler Richtung lassen sich drei Faltungsstockwerk erkennen. So wird das obere Stockwerk mit seinen weitspannigen Falten zur Tiefe hin abgelöst von einem Bereich, der viel Spezialfaltung und zahlreiche Überschiebungen aufweist. Im untersten Stockwerk herrscht enge Faltung vor. Überschiebungen treten kaum noch auf.

Die Schichtenfolge des Karbons ist insgesamt nach Nordwesten geneigt, wo sie unter das Deckgebirge abtaucht. An der Karbon-Oberfläche, die eine Kappungsfläche des ehemaligen Gebirges darstellt, werden von Südosten nach Nordwesten hin zunehmend jüngere Schichten angeschnitten. Der Grund liegt in der stärkeren Heraushebung des Gebirges im Süden, was dort zu einer intensiveren Abtragung und damit zur Freilegung älterer Schichten führte. Das Bild wird dadurch noch komplexer, dass die Karbon-Oberfläche durch den Ausstrich der Sättel und Mulden des obersten Faltungsstockwerks, durch deren Achsenwellungen und durch Bruchtektonik weiter modifiziert wird (Abb. 1).

So streicht im Untergrund des Stadtgebietes von Dinslaken die trogförmig ausgebildete Lippe-Hauptmulde an der Karbon-Oberfläche aus. In ihrem Muldenzentrum liegen die Dorsten-Schichten und ein kleiner Überrest der Lembeck-Schichten. Zum Rand der Mulde hin folgen sukzessive ältere Ablagerungen, nämlich die Horst-Schichten und schließlich die Essen-Schichten.

Abb. 1: Die Karbon-Oberfläche im westlichen Ruhrgebiet mit wichtigen tektonischen Bruch- und Faltenstrukturen
Grafik: eigener Entwurf, Daten nach DROZDZEWSKI & WREDE (1994)

Eine weitere Konsequenz der Kippung der Karbon-Schichten ist, dass diese in Richtung Nordwesten unter ein zunehmend mächtigeres Deckgebirge abtauchen. In Dinslaken wird daher das Karbon, das im südlichen Ruhrgebiet bis an die Oberfläche reicht, von teilweise mehreren hundert Metern mächtigen Ablagerungen des Mesozoikums und Känozoikums überdeckt.

Die Anlage der Bruchtektonik erfolgte bereits während der Faltung. Etwa quer zum Streichen der großen Falten lassen sich Abschiebungen über größere Distanzen verfolgen. Außerdem gibt es Überschiebungen im Streichen der Falten und Blattverschiebungen. Diese verlaufen meist spitzwinkelig zum Streichen der Falten.

Tektonik im Mesozoikum

Abschiebenden Störungen, die etwa quer zu den großräumigen Falten angelegt sind, zerblocken das Steinkohlengebirge und gliedern es in zahlreiche Horste und Gräben (Abb. 2). Die Störungen entstanden wohl schon beim Ausklingen der variszischen Faltung. Sie sind aber vor allem Ausdruck von in West-Ost-Richtung wirkenden postvariszischen Dehnungskräften, die insbesondere in der Trias ansetzten und der Altkimmerischen Phase im Keuper zugerechnet werden. Auch im Jura gab es noch tektonische Dehnungsbewegungen.

Abb. 2: Bruchtektonische Strukturen im Untergrund von Dinslaken und Umgebung

Bedeutendes bruchtektonisches Element im Untergrund des Stadtgebietes ist der Nordnordwest-Südsüdost verlaufende Dinslakener Graben, der begrenzt wird durch zwei Querstörungen. Im Westen ist das der Schwelgern-Sprung und auf der Ostseite des Grabens der Lohberger Sprung.

Die Querstörungen haben nicht nur das Karbon, sondern auch das Deckgebirge erfasst. Zur Zeit der Oberkreide wurden diese Störungen in der Laramischen Phase nochmals aktiviert und durchsetzten nun auch die Kreide-Schichten, wobei Einengungsbewegungen entlang der Störungsbahnen jetzt zu Aufschiebungen und Horizontalverschiebungen führten. Die Kompression erfolgte nun in Nord-Süd-Richtung. Dabei kam es innerhalb der Kreide-Schichten zu flachen Verbiegungen. Diese Kreide-Sättel und Kreide-Mulden haben in Dinslaken und Bottrop einen ungefähr Nordwest-Südost gerichteten Verlauf. Der Dinslakener Kreide-Sattel stellt eine dieser flachwelligen Verbiegungen im Untergrund dar. Er verläuft etwa zwischen Voerde und Dinslaken und lässt die Kreide-Oberfläche in diesem Bereich entsprechend ansteigen.