Das Tertiär im Gemeindegebiet von Weeze

Mehrere Meeresvorstöße erreichten im Tertiär den Niederrhein. Sie erklären sich aus Schwankungen des Meeresspiegels und aus tektonischen Bewegungen, die ab dem Eozän zur Ausbildung der Niederrheinischen Bucht führten und hinterließen Sedimente, die flachmarine Bildungen oder Küstenablagerungen darstellen. Abgesehen von Karbonatgesteinen des Palaeozäns handelt es sich dabei insbesondere um tonige bis sandige Lockersedimente.

Paleozän

Zu Beginn des Tertiärs herrschten am mittleren und südlichen Niederrhein festländische Bedingungen, während nördlich davon das Meer lag. Auch der Raum Weeze gehörte schon im Paleozän dem marinen Sedimentationsraum an. Das Klima zu Beginn des Tertiärs war deutlich wärmer als heute, so dass es zur Ausfällung von Karbonaten kam, die fossilreich sind und oftmals von schluffig-sandigen Lagen durchsetzt sind. Diese auch in den Niederlanden angetroffenen Schichten werden dort als Houthem-Schichten bezeichnet.

Überlagert werden die palaeozänen Kalksteine von den Mittel- und Grobsanden der Hückelhoven-Schichten. Diese Ablagerungen, die auch Reste von Braunkohle enthalten können, sind wohl in einer flachen Seenlandschaft entstanden (KLOSTERMANN 1997a). Über den Hückelhoven-Schichten folgen schließlich Glaukonit-haltige Fein- und Mittelsande, Tone und Tonsteine und schließlich Mergel und tonig-schluffige Sedimente, die unter der Bezeichnung Landen-Schichten zusammengefasst werden.

Eozän

Im Eozän stellen sich wieder festländische Verhältnisse ein, so dass das Eozän am Niederrhein durch eine Schichtlücke gekennzeichnet ist. Unter weitgehend tropischen Klimabedingungen kam es zu einer intensiven Verwitterung der Gesteine, die an der eingeebneten und reliefarmen Landoberfläche anstanden.

Oligozän

Mit dem Oligozän begannen sich allmählich die Konturen der Niederrheinischen Bucht abzuzeichnen. Die schon im Eozän begonnene tektonische Absenkung des Niederrheins setzte sich im Oligozän fort. Sie bewirkte, dass die Nordsee weite Bereiche des Niederrheins überfluten konnte und sich dort sukzessiv marine Verhältnisse einstellten.

Die schluffigen Fein- bis Mittelsande der Walsum-Schichten beginnen vielerorts mit einem durch das vorrückende Meer erzeugten Basiskonglomerat. Die Walsum-Schichten entstanden im küstennahen Bereich. Mit den Ratingen-Schichten setzten sich im Anschluss eindeutig marine Verhältnisse durch. Sie bestehen aus karbonatischen, tonigen oder mergeligen Ablagerungen und können als Stillwassersedimente gedeutet werden. Über den Ratingen-Schichten lagern die Lintfort-Schichten. Die Tone und Tonsteine enthalten Kalkstein- und Mergelsteinlagen und schluffig-sandige Einschaltungen und zeigen unruhigere Sedimentationsbedingungen am Niederrhein an.

Die Walsum-, Ratingen- und Lintfort-Schichten sind zusammen in die Rupel-Stufe zu stellen. Mit den im Hangenden folgenden Grafenberg-Schichten der Chatt-Stufe treten anschließend deutlich sandiger Ablagerungen auf.

Im höheren Oligozän erreichte das Meer am Niederrhein seine größte Ausdehung während des Tertiärs. Dies lag an den tektonischen Senkungsbewegungen der Niederrheinischen Bucht, die der Nordsee ein Vordringen bis an den Rand des Bergischen Landes und der Eifel ermöglichte. Die schluffig-sandigen Grafenberg-Schichten sind flachmarine Ablagerungen. Eine allmähliche Verflachung des Meeres spiegelt sich in den Grafenberg-Schichten wider in der zunehmenden Korngröße zum Hangenden hin.

Miozän

Zu Beginn des Miozäns herrschten terrestrische Verhältnisse. Dann erreichte das Meer erneut den Niederrhein, jetzt aber aus südwestlicher Richtung. Zur Ablage kamen unter anderem Glaukonit-führende Fein- und Mittelsande. Diese Sedimente entstanden in einem ausgedehnten Wattbereich. Am Ende des Miozäns zog sich das Meer zurück, was eine erneute Festlandsphase einleitete.

Pliozän

Auch im Pliozän gab es einen Meeresvorstoß an den Niederrhein. Die Küste der pliozänen Nordsee lag etwas nördlich von Weeze, so dass hier ein Wechsel von flachmarinen und terrestrischen Sedimenten zur Ablage kam, wobei eine Unterscheidung beider Ablagerungsmilieus nicht immer möglich ist. Zur Ablage kamen unter anderem helle, Glimmer-haltige Fein- und Mittelsande.