Flugsand

Flugsande gehören zu den am weitesten verbreiteten Ablagerungen des Quartärs. Großflächige Flugsandablagerungen werden auch als Flugdecksande bezeichnet. Wie alle Windablagerungen überdecken Flugsande als dünner Sedimentschleier die Geändeoberfläche. Bei ausreichenden Sandmengen, die der Wind verfrachten kann, kommt es zur Bildung von Dünen. Die äolischen Sedimenten Löss, Sandlöss und Flugsand unterschieden sich durch die Korngrößen ihrer Komponenten, wobei Flugsande die gröbsten Komponenten haben.

Sie bestehen gewöhnlich aus weißen, gelben oder bräunlich-gelben Fein- und Mittelsanden (Abb. 1, Abb. 2). Eine mäßige bis gute Sortierung und das Fehlen von Fossilien sind ebenfalls Kennzeichen. Flugsandkörner zeigen unter dem Mikroskop oftmals eine matte Oberfläche, was als ein Unterscheidungskriterium zu fluviatilen Sandkörnern verwendet werden kann. Neben der Sandfraktion können sich auch gröbere Komponenten in den Ablagerungen finden. Diese können durch Hochfrieren in den Flugsandkörper gelangt sein oder durch Abspülung von Hängen, die an Flugsandflächen grenzen.

Abb. 1: An Böschung anstehender gelber Flugsand, Geldern-Walbeck

Voraussetzung

Anders als Löss wird Flugsand nur über relativ kurze Entfernungen transportiert. Er setzt daher das Vorhandensein von offenen Sandflächen voraus, wie sie in einem trockenen Klima vorkommem, das sich durch niedrige Grundwasserstände und eine lückenhafte oder fehlende Pflanzendecke auszeichnet. Die Trockenheit des Materials ist wichtig, weil der Wind den Sand sonst nicht aufnehmen und transportieren kann. Der Transport des Flugsandes erfolgt in unmittelbarer Bodennähe.

Solche Bedingungen fanden sich vor allem in den Spätphasen der pleistozänen Kaltzeiten, als bei trockenem Klima der Permafrostboden verschwunden war und damit der hohe Feuchtigkeitsgehalt des Bodens. Die Pflanzenbedeckung war noch gering und zudem konnten die verwilderten kaltzeitlichen Flusssysteme große Mengen an Lockersedimenten transportieren und als Terrassen bzw. als Hochflutsedimente auf diesen Terrassen ablagern. Nach Hochwasserereignissen fielen die Flussarme wieder für längere Zeit trocken und der Wind konnte dann das Material verfrachten. Heutige Flugsandvorkommen sind daher räumlich oft an die weichselzeitlichen Niederterrassen gebunden.

Zeitliche Entstehung

Die meisten Flugsandflächen im Norden und Westen Deutschlands stammen aus dem Spätglazial der Weichsel-Kaltzeit. Während im Hochglazial noch die Entstehung von Löss und untergeordnet von Sandlöss stattfand, setzte die Flugsandbildung im Spätglazial ein. Unterbrochen wurde sie im Alleröd-Interstadial und reichte danach bis in das frühe Holozän. Im Subboreal verstärkte sich die Aufwehung von Flugsand durch Brandrodung und die beginnende ackerbauliche Tätigkeit des Menschen erneut. Auch in der Römerzeit und im frühen Mittelalter gab es durch den Menschen ausgelöste weitere Phasen der verstärkten Flugsandbildung.

Abb. 2: Gelber Flugsand, freigelegt an einem Ackerrand, Haren (Emsland)